Kaly, der Dreieinhalbbeiner

Von martina monti, 4. September 2011

Die beiden hier, das sind Kaly und Jimmy, zwei neue Gäste im Pfötli.

Kaly ist ein etwas mehr als einjähriger Mischling aus Jack Russel und irgendwas, Jimmy ein original Chihuahua im sechsten Sommer seiner Biographie. Hunde reagieren ja recht unterschiedlich auf die Tatsache, sich allein in der fremden Pfötli-Umgebung wiederzufinden, ohne ihre Bezugsperson, in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, konfrontiert mit fremden Menschen und einer artgenössischen Nachbarschaft, die in der Regel kein „Willkommen!“-Transparent entrollt. Die meisten Neuen zeigen sich deshalb verunsichert bis verängstigt und brauchen ihre Zeit, um sich zurecht zu finden und ein wenig zu entspannen. Während dieser ersten Eingewöhnnungsphase werden sie aus diesem Grund erst einmal in Ruhe gelassen, abgesehen von notwendigen Untersuchungen, Behandlungen, dem Fütterungsservice und dem Gang in die Ausläufe und retour. Aber diese zwei fröhliche Kumpels hier, die finden – egal wo und unter welchen Umständen – Menschen grundsätzlich begrüssenswert, weshalb ich nach einem ersten kurzen Kennenlernbeschnüffeln durch die Gittertür ihrer Box gleich mal rein bin zu den beiden.

Kaly und Jimmy Indoor from Martina Monti on Vimeo.

So putzmunter Kaly um mich rum, über mich rüber und an mir hoch hoppste, unübersehbar war, dass mit seinem rechten Bein etwas nicht stimmte. Angesichts seines Terriernaturells powered by Duracell hätte ich auf einen Kollateralschaden seines Hyperturboaktivismus gewettet, eine umgeknickte Pfote, eine Bänderzerrung, ein Ermüdungsbruch. Doch weit gefehlt. Kaly hat eine Radialislähmung, wie mich Chrigi aufklärte. Dabei handelt es sich um eine Schädigung des Radialisnervs im Radialiskanal des Oberarms, d.h. an der Stelle, an der er direkt am Oberarmknochen liegt. Häufige Ursache dafür ist – bei Mensch und Tier – eine Fraktur des Oberarmknochens.

Die tierärztliche Untersuchung hat bei Kaly ergeben, dass der Nerv irreparabel geschädigt, die Lähmung des rechten Vorderlaufs also definitiv ist.

Was Kaly mitnichten zu einem depremierten Dreieinhalbbeiner macht. Zumal er in seinem Hundealltag prima zurecht kommt, wie sich dann später im Kiesauslauf gezeigt hat: zwar schwankt er beim Markieren ein wenig, als ob er einen Schnaps zuviel intus hätte, aber er bewegt sich emsig schnüffelnd im Terrain, kommt überall hin wo er hin will und ist selbstbewusster als Arni Schwarzenegger zu seinen besten Terminator-Zeiten (als ich ihn in dem folgenden Filmchen abrufe, ist er kurz davor, durch den Zaun hindurch einen Hund vollzumotzen, der in Grösse und Umfang ein bedrohliches Vielfaches seiner selbst ist). Wie Speedy-Gonzales-mässig er unterwegs ist zeigt sich dann am Ende seines Filmauftritts, wo ich ihn komplett aus dem Fokus verliere als er zu mir zurücksprintet. (Was dann eine sehr schöne, aber eher irrelevante Dokumentation des Kiesbelags ergeben hat. Nun ja.)

Kaly und Jimmy im Kies from Martina Monti on Vimeo.

Dass wir Kaly trotzdem nicht einfach weiter durchs Leben hoppeln lassen können, hat einen einfachen Grund: er schleift seine rechte Vorderpfote über den Boden, und eher früher als später wird hier eine offene Wunde entstehen. Damit das nicht geschieht, hat unsere Tierärztin Gabi Ehrismann folgenden Plan: Kaly bekommt eine Schiene angepasst, die bis unter seine Pfote reicht und so das „Pfotengelenk“ (medizinisch Metacarpalgelenk) wie auch das Bein stabilisiert. Vorderhand wird er sich dann künftig wie ein Piratenkapitän mit Holzbein bewegen, aber nur kurzfristig an seiner Höchstgeschwindigkeit einbüssen, dafür sorgt schon sein Terriertemperament. Wir hoffen alle sehr, dass die Schienenlösung funktioniert, denn die einzige Alternative wäre eine Amputation. Und die wollen wir dem Pfiffikus ersparen. Was wir ihm allerdings nicht ersparen können, ist der Verlust seiner „Kronjuwelen“, sprich er wird kastriert. Auch Arnold Schwarzenegger musste ja irgendwann mal kleine Brötchen backen.

Kommentare