Siebzig Hunde ohne Heimat (Tierschutzeinsatz Andalusien II/II)

Von martina monti, 15. Mai 2011

Malen, Hämmern, Montieren. Sortieren und Einräumen der mitgebrachten Materialspenden. Katzenraum und -auslauf bezugsbereit herrichten, den OP-, Behandlungs- und Badbereich einrichten – die Hälfte des Einsatztages für die spanische Tierschutz-Organisation „SiempreKontigoRota“ ist bereits vorbei, das neue Tierheim parat für seine Bewohner. Doch auf das SUST-Team wartet noch jede Menge Arbeit im alten Tierheim. Und für die sensibleren Naturen unter den Helfern beginnt jetzt der schwierigere Teil des Einsatzes.

12.30 Uhr – Fahrt ins alte Tierheim: Momentan leben die heimatlosen Hunde noch im alten Tierheim, das wenige Auto-Minuten entfernt vom neuen liegt. Bevor sie ins neue Heim einziehen, wollen wir sie gegen Endo- und Ektoparasiten behandeln (Parasiten die innerhalb und ausserhalb des Tieres leben).

„SiempreKontigo“ – ein Versprechen an die Tiere von Rota: Hier haben die engagierten Tierschützer der Organisation „SiempreKontigoRota“ ein Heim aufgebaut und pflegen in ihrer Freizeit rund 70 Hunde. SiempreKontigo ist spanisch und bedeutet übersetzt: Immer bei Dir! Ein schönes Versprechen an die heimatlosen Tiere von Rota.

 

Traurige Hundegesichter: Die Tierschützer geben hier ihr Bestes. Dennoch ist es sehr belastend, in diese vielen traurigen und hoffnungslosen Hundegesichter schauen zu müssen. Manche der Hunde scheinen bereits aufgegeben zu haben.

 

Wichtige Behandlungen: Wir haben Entwurmungstabletten mitgebracht und so können wir in diesem Heim gemeinsam mit den spanischen Tierschützern sämtliche heimatlosen Hunde gegen die gefrässigen und gefährlichen Innen-Parasiten behandeln.

Tränenschutz: Natürlich scheint die Sonne nicht bis zu den Hundeboxen. Wer seine Tränen verbergen will, behält die Sonnenbrille trotzdem auf.

Leckere Medizin: Die Wurmtabletten werden in leckeres Dosenfutter „verpackt“. So was Gutes kriegen die Heimhunde sonst nicht zu sehen und die Pillen-Pampe wird uns mit grosser Freude aus den Händen gefressen. Das alles geht sehr schnell und für die Hunde problemlos über die Bühne: Hier zeigen sich die Stärken und Erfahrungen unserer Fachleute im Umgang mit Hunden.

Unbemerkte Entflohung: Es ist eine wahre Freude mit einem gut eingespielten Einsatzteam arbeiten zu können:Während vorne eifrig geschlabbert wird, tragen wir hinten ein Spot on gegen Flöhe und Zecken auf die Haut. So sind die Vierbeiner für eine ganze Weile rundum gegen Parasiten von aussen und innen geschützt.

Unfassbare Tierquälerei: Viele Tierheimhunde haben schreckliche Erlebnisse und Quälereien hinter sich. Diese spanische Jagdhündin – ein Galgo – hat die Tierheimleiterin Carmen in letzter Sekunde an einem Baum hängend entdeckt und abhängen können.

Trauriger Kult: Wie viele andere Galgos wurde offenbar auch sie von ihrem Besitzer erhängt. In Spanien eine gängige Art, unerwünschte Tiere los zu werden. Die tiefen Narben am Hals der Hündinzeugen noch von ihrem Überlebenskampf.

Das Leid lauert überall: Wer sich vom Tierleid erholen will und einen kurzen Spaziergang zum Durchatmen unternimmt, kommt nicht weit: In einem Gebüsch gleich am Wegrand entdecken wir diese erhängte Katze.

Das Tier ist tot – es hat sein Leiden hinter sich. An diesem Leid schien jemand seine Freude gehabt zu haben: Das Büsi wurde mit einem aufwändigen Drahtschlingensystem erhängt. Auf viele andere spanischen Tiere warten solche und andere Quälereien bis zum Tod.

Tierschutz-Profis unter sich: Zurück im neuen Tierheim erfährt das SUST-Team viel über die aktuelle Tierschutz-Situation in Rota, über die Ursachen der Probleme und über gesetzliche Vorschriften. Gemeinsam mit den spanischen Kollegen wird nach kurz- und langfristigen Lösungen für einzelne Probleme gesucht, und es werden Pläne für die Zukunft aufgestellt.

SiempreKontigo: Wir erfahren die Geschichte der Organisation „SiempreKontigoRota“: Die Tierschützer sind aktiv und haben unendlich viel traurige Arbeit zu leisten. Dennoch sind sie in ihrem Optimismus nicht zu bremsen. „Wir führen viele Aktionen zum Schutz der Tiere durch und machen auf die schlimme Tierschutzsituation hier aufmerksam. Dazu haben wir auch schon einmal einen Sitzstreik durchgeführt“ erklären die spanischen Tierschützer.

Schwierige finanzielle Situation: Die Kosten für die Behandlung und die Operationen der Tiere müssen sich die Tierschützer mühsam erbetteln. Sobald sie wieder genügend Geld in ihrer Spendenkasse haben, können sie wieder einen Hund oder eine Katze kastrieren oder tierärztlich behandeln lassen.

Intelligente Planung mit Schweizer Beratung: Das neue Tierheim wird abgeschritten und Abläufe werden durchgesprochen. Wie wird die Quarantäne für die Tiere aussehen? Hier hat unsere Tierärztin wichtige Ratschläge. Wieviele Tiere werden in einer Boxe untergebracht? Da weiss die Tierheimleiterin in unserem Team weiter. Wo werden die Tierschützer an ihre baulichen und finanziellen Grenzen stossen? Hier kann ich meine langjährige Erfahrung weitergeben.

In kurzer Zeit haben wir hier Freunde gefunden. Es ist wunderbar, was wir heute gemeinsam leisten konnten. Die spanischen Tierschützer verabschieden uns mit den Worten „Ihr werdet hier immer willkommen sein: Unser Heim, ist Euer Heim“. Das sind die Momente, für die wir arbeiten. Das Team der Susy Utzinger Stiftung setzt sich übrigens aus freiwilligen Fachkräften zusammen, die ihre Freizeit und ihr Fachwissen für die SUST-Einsätze kostenlos zur Verfügung stellen.

18.30 Uhr: Unsere Rückfahrt führt uns vorbei am Felsen von Gibraltar. Ein toller Anblick.

19.30 Uhr: Der Tag endet, wie er begann – nach einer langen Arbeitswochesind wir alle erschöpft und können in jeder Lage schlafen.

23.00 Uhr – Bürozeit: Auch dieser Arbeitstag endet mit der Aufzeichnung des Erlebten. Tagesrapporte müssen geschrieben werden, Fotos heruntergeladen und gesichert, Akkus geladen. Ausserdem heisst es Koffer packen: Morgen geht’s zurück in die Schweiz – nach einer anstrengenden Woche, in der wir viel erlebt haben.

Mehr Bilder über diesen Tierschutzeinsatz in Spanien und weitere SUST-Einsätze finden Sie auf www.susyutzinger.ch


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