Herzmomente 2014: Sag beim Abschied leise „Zwetschge“ …

Eigentlich ist jeder Tag im Pfötli für mich per se ein Highlight. Wegen der Tiere und der Menschen, mit denen ich es hier zu tun habe. Aus den 52 Highlights drei rauszusuchen für meinen kleinen persönlichen Rückblick auf 2014, das war gar nicht so einfach. Insofern hier meine Auswahl, die auch komplett anders hätte ausfallen können. Das gilt auch für die Reihenfolge. Wobei … nein, nicht ganz. Die Nummer eins ist eine ganz klare Nummer eins. Nach dem kleinen Yoda, jetzt der riesige Heini. Sag beim Abschied leise „Zwetschge“ ….

Kennt ihr das, ihr habt eine Vorliebe für eine ganz besondere Sorte Tier – zum Beispiel Neonfische. Neonfische verkörpern in Eleganz und Farbigkeit alles, was ihr euch unter tierischer Schönheit vorzustellen vermögt, sie sind perfekt in Grösse und Schwimmtechnik, und euer grösster Traum ist es, einmal in einem Schwarm Neonfische den Amazonas rauf- und runterzuschwimmen. Und dann begegnet ihr einem adipösen Känguruh und – bamm! Obwohl das adipöse Känguruh nicht eine einzige der wunderbaren Eigenschaften der Neonfische besitzt, und schon gar nicht in Schwärmen im Amazonas anzutreffen ist, bamm!, seid ihr von ihm absolut fasziniert.

Oder anders ausgedrückt: Der Moment, in dem euer privater „Sexiest Man Alive“ in euren Träumen ernsthaft Konkurrenz von Nick Frost bekommt, das ist der verschmuddelt-pummelige Dauerpubertierer aus „Shaun of the Dead“, siehe unten rechts.

 

Simon Pegg und Nick Frost in der Szene, in der sie feststellen müssen, dass die Blondine in ihrem Garten weniger besoffen als vielmehr untot ist.

Simon Pegg und Nick Frost in der Szene, in der sie feststellen müssen, dass die Blondine in ihrem Garten weniger besoffen als vielmehr untot ist.

 

Ungefähr so erging es mir mit Heini: Ich lebte ein glückliches Pfötlileben unter Hunden – und dann war da plötzlich dieses riesige Schwein. Bamm!

Von Haus aus ist Heini – der offiziell Heiri hiess – ein derer zu Edelschwein. Die Jungs dieser Bauart erreichen eine Höhe von bis zu 85 cm  und wiegen so an die 350 Kilo. Sie gelten zwar nicht als die üppigsten Fleischlieferanten, haben dafür aber Nerven wie Drahtseile. Stress? Kennen sie nicht. Machen sie eher.

Und so war das auch mit Heini. Der latschte bei seiner Ankunft seelenruhig der Futterschüssel hinterher und nahm sein Gehege in Besitz. Von da an galt das Territorium als annektiert, Heini als der uneingeschränkte Herrscher mit der Lizenz zur Tyrannei. Erst recht nachdem Meiti, seine Minipig-Gefährtin, nach einem Kurzaufenthalt bei uns an einen neuen Platz vermittelt worden war. Gemeinsam mit Big Boy Heini. Aber der kam nach kurzer Zeit wieder zu uns zurück. Mit seinen Manieren hatte es ein Problem gegeben. Hiess es.

 

Es grüne so grün im Schweinegehege, als Heini und Meiti einzogen.

Es grünte so grün im Schweinegehege, als Heini und Meiti einzogen. Man beachte bitte Heinis riesige Stehlauscher, ein Markenzeichen des Edekschweins.

 

Erstaunlich wäre das jedenfalls nicht gewesen. Heinis Verhalten war grösstenteils unter aller – nunja – Sau, er war selbstverliebt, ein Macker und unglaublicher Rüpel, ungepflegt, ohne Benimm und körperlich bis zur Schmerzgrenze – und darüber hinaus. Der Typ Mann halt, der bei Partnervermittlungsagenturen als Karteileiche enden würde. Wenn er nicht auch diesen rauhen Charme gehabt hätte und von einer fröhlich-frivolen Klugheit gewesen wäre, über die wir Heini-Pfleger nicht anders konnten als grinsen. Dieses Schwein war einfach ein cooler Hund. Und es hatte für mich etwas von Heinrich VIII, dem englischen König, der von 1509 bis 1547 England regierte, und den seine Freunde bestimmt auch Heini nennen durften. Bevor der nämlich zornig und schwer krank bei 160 Kilo Lebendgewicht dahinalterte, war er ein stattlich-sportlicher Monarch, gebildet, klug und sehr unterhaltsam. Nun gut, das mögen mindestens zwei seiner insgesamt sechs Ehefrauen anders gesehen haben, von ihnen liess er sich auf dem Schafott scheiden. Vielleicht hatten sie nicht über seine Witze gelacht.

Jedenfalls freute ich mich immer auf das edle Borstenvieh, und spätestens, wenn ich mit der Schubkarre voll duftendem Heu, frischem Haferstroh, Gemüseschüssel und Schweinefutterpampeneimer auftauchte, war die Freude gegenseitig: Heini schnappte förmlich über, sprintete mit seinen Riesenlauschern im Wind flatternd am Zaun hin und her und quiekte in einer Lautstärke, dass die Sittiche in der Voliere mit einem Migräneanfall von der Stange zu kippen drohten. Rückte ich nicht schnell genug mit dem Futter raus oder war er mit dem Zusammensammeln der Fressalien schneller als ich mit Ausmisten, Wassertrog füllen und Strohbett im Stall aufschütteln, dann stellte mich das Schwein und bedrängte mich hemmungslos bis ich die Reserveäpfel rausgerückt hatte, gegen die ich bei Heini freies Geleit und ein verletzungsfreies Verlassen des Geheges eintauschte. Bis zur Erfindung der Reserveäpfel hatte Heini seinen Frust über das Versiegen der Futterquelle gerne an mir ausgelassen. Er meinte das sicher nicht böse. Aber 350 aufgebrachte Kilo, an deren Vorderseite ein nussknackfähiges Gebiss mit zwei Hauern befestigt war – das war schon rein physikalisch keine zu schonendem Umgang befähigte Zusammenstellung. Und mir reichte es bereits, wenn er mir mit seinem Fuss, also mindestens 80 Kilo, auf meinem stand. Was immrt dann passierte, wenn er versuchte, seinen Plünderrüssel in meine Hundekeksbauchtasche zu versenken. Also praktisch jedes Mal. Nur – das war alles im nächsten Augenblick vergessen und verziehen. Denn andererseits war dieses Schwein das zarteste Lämmchen, wenn man ihm den Rücken schubberte während es vor sich hinschmatzte, und wenn ich ihm zum Abschied auf den Hinterschinken klatschte, dann spürte ich den Staub unter seinen Borsten und ein tiefes Gefühl der Zuneigung und Freundschaft.

 

Dann war Meiti weg und das Gras nicht mehr grün, sondern verschwunden. Regnete es mal einen Tag lang, verwandelte sich das ganze Gehege in eine Schweinesuhle, derern sumpfigem Erdtonus hin und wieder auch mal ein Gummistiefel zum Opfer fiel.

Dann war Meiti weg und das Gras nicht mehr grün, sondern verschwunden. Regnete es mal einen Tag lang, verwandelte sich das ganze Gehege in eine Schweinesuhle, derern sumpfigem Erdtonus hin und wieder auch mal ein Gummistiefel zum Opfer fiel.

 

Und das war auch das Problem. Denn Heini hatte zwar ausreichend Fans, aber er war nach Meitis Auszug ohne schweinische Gesellschaft, das konnte selbstverständlich nicht so weitergehen. Ausserdem hatte es Heini mit der Zeit geschafft, sein Gehege bis in den hintersten Winkel umzupflügen und alles so niederzutrampeln, dass dort kein Gras mehr wuchs. Kein Schwein wohnte so.
Die Suche nach einem diesem edlen Schwein angemessenen, neuen Zuhause gestaltete sich naturgemäss etwas schwierig. Erforderlich waren ausreichend Platz und andere Schweineindividuen, die darüber hinaus bereit und nervlich in der Lage waren, unseren König Heinrich in ihrer Mitte aufzunehmen. Aber wer das Pfötli kennt, weiss, wir lassen nicht locker und finden, was unsere Schützlinge brauchen. So stand dann im Spätsommer der zweite Herzensmoment des Jahres an: Unsere letzte Fütterung, und aus gegebenem Anlass wurde dann auch noch ein Dessert serviert – frischgepflückte Pfötliflaumen.

 

Definitiv Bio und frisch vom Zweig: Die  königlichen Abschiedspflaumen aus dem Pfötligarten.

Definitiv Bio und frisch vom Zweig: Die königlichen Abschiedspflaumen aus dem Pfötligarten.

 

Und die bekam Seine Speckwürden von mir per Handfütterung kredenzt. Für Heini Gelegenheit, noch einmal ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass er Geduld für eine der am meisten überschätzten Fähigkeiten hält. Ebenso wie Tischmanieren. Auch klar ist: der Zaun wird diesem Schwein keine Träne nachweinen.

 

Herzmomente 2014: Yoda, kleiner Charmeur auf Samtpfoten

Eigentlich ist jeder Tag im Pfötli für mich per se ein Highlight. Wegen der Tiere und der Menschen, mit denen ich es hier zu tun habe. Aus den 52 Highlights drei rauszusuchen für meinen kleinen persönlichen Rückblick auf 2014, das war gar nicht so einfach. Insofern hier meine Auswahl, die auch komplett anders hätte ausfallen können. Das gilt auch für die Reihenfolge. Wobei … nein, nicht ganz. Die Nummer eins ist eine ganz klare Nummer eins. Den Auftakt macht eine unwiderstehliche Kleinigkeit.

Nicht besonders überraschend punkto tierischer Sozialisierung bin ich quasi mit der Geburt auf den Hund gekommen – und dabei geblieben. Auch bei meiner Arbeit im Pfötli. An und zu aber mache ich einen Abstecher in andere Tierwelten, zumindest besuchsweise. Und manchmal kommt es dabei auch zu kleinen Premieren. Wie hier als ich zum ersten Mal mit einer Ratte auf Tuchfühlung gegangen bin.

 

Ratten sind coole Tiere, das einzig Doofe an ihnen ist ihr Image.

Ratten sind coole Tiere, das einzig Doofe an ihnen ist ihr Image.

 

Ein sehr fröhliches und höfliches Exemplar, das in einem überraschenden Tempo kreuz und quer an mir rumkletterte.

Die Katzen in den Gruppenräumen sehen mich auch nur höchst sporadisch bis fast gar nicht, sie liegen im ersten Stock und damit nicht auf dem Weg. Aber manchmal ergibt sich eben doch die Gelegenheit für einen Kurzbesuch. Den ich in der Regel komplett vollgehaart beende. Katzen sind schon schwer in Ordnung. Von einer Hundenärrin kommend, entsprucht diese Aussage glatt einer Liebeserklärung.

 

Die meisten Katzen - wie dieser Herr in Rot - nutzen mich als Kletterbaum. Muss an meiner Grösse liegen.

Die meisten Katzen – wie dieser Herr in Rot – nutzen mich als Kletterbaum. Muss an meiner Grösse liegen.

 

Aber egal, wie weit weg oder wie sehr beschäftigt ich bin, es gibt etwas, für das ich alles stehen und liegen lasse, im Notfall auch einen Hund: Katzenbabies. Sie kommen entweder mit der Mutter, oder erst bei uns zur Welt oder als Waisen. Ausgesetzt oder zurückgelassen. Die mutterlosen Minimauzer, für die keine Amme gefunden werden kann, die halten das Pfötliteam dann besonders auf Trab. Denn die müssen mit der Flasche grossgezogen werden. Und das bedeutet Tag und Nacht alle zwei Stunden hin zu den Zwergen, die Bar öffnen, die Allzugierigen bremsen, die Appetitlosen animieren, nach der Mahlzeit mit Bauchmassage die Verdauung in Gang bringen und danach den Schlaf irgendwo wiederfinden für eineinhalb Stunden. Bevor es dann des Morgens zur Arbeit geht. Man erkennt die temporären Katzenmamas an den leicht umschatteten Augen. Einerseits. Andererseits aber auch an einer glückseligen Ausstrahlung, die durch die Müdigkeit quasi hindurchschimmert. Denn die Ersatzmütter sind mit Leidenschaft und ganzem Herzen bei der Sache.

 

Diese Kätzchen sind zwei Wochen alt und stammen von einem Bauernhof. Als die Mama vier Tage lang nicht aufgestaucht war, kam das Sextett zu uns.

Diese Kätzchen sind zwei Wochen alt und stammen von einem Bauernhof. Als die Mama vier Tage lang nicht aufgestaucht war, kam das Sextett zu uns.

 

Für mich sind Babies jeglicher Herkunft und Machart immer wieder aufs Neue ein Wunder, diese Winzlinge kommen mit der kompletten Ausstattung auf die Welt, ist je nachdem noch nicht alles funktionstüchtig, aber alles schon dran, wie bei den Grossen, nur im Massstab 1:x verkleinert.

 

Kleiner Kater in einer grossen Menge Gras

Kleiner Kater in einer grossen Menge Gras

 

Im September war ich dann das erste Mal ganz furchtbar nah dran, einen Nichthund aus dem Pfötli zu klauen: Yoda. Der kleine Schwarze war die Hälfte eines Findelduos, er war mutig, neugierig, ein ganzer Kerl im Zwergenformat. Und dabei so dermassen unwiderstehlich niedlich, dass ich augenblicklich eine Überzuckerungsattacke erlitt, als ich ihn in der Aufnahmestation das erste Mal sah. Und weil es an jenem Tag noch sommerlich warm war, durfte ich Yoda mit auf die Pfötliwiese nehmen und bei seinem ersten Ausflug in die grosse, weite, abenteuerliche Welt begleiten.

Da taperte er dann durch den Grasurwald, zunächst voll des Mutes, bereit, zu entdecken, was zu entdecken war…. dann aber ….. und doch wiederum…

 

Yoda hat natürlich ganz schnell ein ganz tolles Zuhause gefunden. Aber ich frag mich manchmal schon, was wohl aus uns beiden geworden wäre, wenn …

Yoda1

Material entsorgen für den Tierschutz – mit SUST und Qualipet

Am 4. Oktober ist Welttierschutztag. Für die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz SUST und den Zoofachhändler Qualipet der Anlass, sich zusammen zu tun, um etwas für notleidende Tier zu tun: In allen Qualipet-Filialen in der gesamten Schweiz werden Tierutensilien für die Arbeit der SUST entgegengenommen, und das bis zum 11. Oktober.

Die SUST betreibt im In- und Ausland in zahlreichen Projekten das, was ich einen sinnvollen Tierschutz nenne: sie unterstützt Tierheime vor Ort in ihrer täglichen Arbeit, engagiert sich in langfristig wirksamen Aktionen (z.B. Kastration von Strassenhunden und -katzen), arbeitet dabei mit den lokalen Tierschützen und TIerärzten zusammen und sucht das Gespräch mit den den Behörden auf allen Verwaltungsebenen.

Viele Tierheime haben weniger als nichts zur Verfügung, um die Not der TIere zu lindern

Viele Tierheime haben weniger als nichts zur Verfügung, um die Not der TIere zu lindern

In sehr vielen der von der SUST betreuten Heimen fehlt es an für uns Selbstverständlichem: Schlaf-, Transportkörbe, Näpfe, Tücher, Decken, Leinen, Halfter, Futter … Und was wir in unsere Tierhalterwelt des reichen Angebots als nicht mehr schön oder brauchbar aussortieren, bedeutet andernorts für die tierischen Schützlinge endlich ein Stück Komfort und Wohlbefinden, kann ein fleckiges Schlafkissen den grössten Luxus darstellen, ein altes Halsband für einen Hund den Abschied von dem Stück Draht und ein Kamm für eine Katze eine Zukunft ohne verfilztes Fell. Und die grösste Erleichterung bedeuten diesen Utensilien den Tierschützern vor Ort, die kaum Mittel zur Verfügung haben, die Not der Tiere lindern zu können.

Susy Utzinger leistet mit ihrer Stiftung und Tierschützern vor Ort erste Hilfe

Susy Utzinger leistet mit ihrer Stiftung und Tierschützern vor Ort erste Hilfe

Mit dem Sammeln allein ist es natürlich nicht getan, für die SUST beginnt danach die eigentliche Arbeit. Mich hat interessiert, was mit den Materialien weiter passiert, was die SUST am dringendsten braucht – und welche Dinge ihre Arbeit eher erschweren.
Nun ist es so, dass Susy Utzinger so gut wie eigentlich gar nicht in ihrem Büro am Computer anzutreffen ist, sondern meistens irgendwo unterwegs. Was sie nicht davon abhält, Auskunft zu geben. So wie auch dieses Mal, kurz vor ihrem Abflug Richtung Rumänien.

Susy Utzinger ,  engagierte Tierschutzexpertin und Geschäftsleiterin der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz

Susy Utzinger , engagierte Tierschutzexpertin und Geschäftsleiterin der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz

Susy, seit wann führt die SUST gemeinsam mit Qualipet eine Materialsammlung durch?
Wir sammeln ja seit über zehn Jahren Tierutensilien für Tierheime und Tierschutzprojekte im In- und Ausland, und zwar einerseits an unserem Standort im zürcherischen Kollbrunn und andererseits im Tierheim Pfötli des TierRettungsDienstes.  Seit letztem Jahr wird nun über die Wochen des Welttiertages auch in den Qualipet-Filialen für diese Aktion gesammelt. Und zwar schweizweit, so ist es für Tierhalter einfacher, ihre nicht mehr benötigten Tierutensilien abzugeben.

Welche Rolle spielen diese Materialsammlungen in der Arbeit der SUST?
Eine entscheidende. Wir unterstützen insgesamt rund 140 Tierheime und Tierschutzprojekte in der Schweiz und ebensoviele im Ausland. Vielen fehlt es zum Teil am Nötigsten, und das können wir dank der Sammelaktionen ändern. Dieses Material ist für uns oft das „Eintrittsticket“ zu den einzelnene Projekten. Wir bringen Material mit und können vor Ort dann die Umstände im Projekt besprechen und allfällige Verbesserungen ansprechen und planen. Zusätzlich hilft das Sammelgut aber auch, ganze Tierstationen und Tierheime einzurichten. Oft ist Material dabei, das sich viele Tierheime gar nicht leisten könnten. Auf unserer Website gibt es übrigens detaillierte Informationen zu unseren Materialsammlungen.

Manchmal ist ein Karton zum Schlafen bereits Luxus

Manchmal ist ein Karton zum Schlafen bereits Luxus

Was könnt ihr immer sehr gut gebrauchen, und was hilft euch gar nicht weiter?
Transportboxen, Verbrauchsmaterial für Operationen, Tüechli und alle anderen Tierutensilien, die nicht defekt und vor allem tierschutzgerecht sind, sind eine wertvolle Hilfe. Im Gegensatz dazu müssen wir nicht tierschutzgerechtes Material, das leider auch oft abgegeben wird, entsorgen, was einen eigentlich unnötigen Zusatzaufwand bedeutet.

Konkret, was könnt ihr nicht an Tierheime weitergeben?
Materialien, die kaputt, und damit unbrauchbar sind sowie alles, was nicht erlaubt ist wie z.B. Mini-Käfige für Vögel und Kleintiere sowie Stachel- und Elektrohalsbänder.

Wo ein Körbchen oder eine HUndehütte fehlen, suchen Welpen in einer Erdhöhle Schutz

Wo ein Körbchen oder eine Hundehütte fehlen, suchen Welpen in einer Erdhöhle Schutz

Wieviel kommt bei den Sammlungen der SUST durchschnittliches zusammen?
Letztes Jahr haben wir 200 Tonnen Material an Tierheime abgeben können. Rund 30 davon stammten alleine aus der Qualipet-Sammelaktion.

Nach Beendigung der Aktion geht es für euch aber mit der Arbeit erst richtig los … Was passiert als nächstes?
Das gesammelte Material wird zunächst in den einzelnen Qualipet-Filialen vom Spediteur Imbach abgeholt. Die Imbach Logistik AG organisiert und finanziert gemeinsam mit Hill’s dankenswerterweise den Transport von den jeweiligen Geschäften zu unserem Lager in Kollbrunn. Hier haben sich SUST-Helferinnen für diese Zeit vorbereitet und verbringen quasi ihre Freizeit im Lager: Erwartet werden über 200 Palette Hilfsgüter, die müssen desinfiziert, sortiert und wieder verpackt werden.

Und wie gelangt das Material an seinen endgültigen Bestimmungsort?
Per Spediteur, dieser Transport ist ein grosser, zeitaufwändiger und teurer Punkt für unsere Stiftung.

Es bräuchte so wenig, damit es ihm besser geht

Es bräuchte so wenig, damit es ihm besser geht

Zum Schluss noch eine Frage zu dem, was ihr ganz dringend brauchen würdet: Was wird eher selten abgegeben, wäre aber sehr wichtig? Hundehütten sind für unsere Arbeit sehr wertvoll, aber auch Mittel gegen Parasiten, also gegen Endo- und Ektoparasiten, Würmer, Flöhe, Zecken, Milben.

Können auch Futter und generell Medikamente abgegeben werden?
Für Futter sind wir sehr dankbar – das wird immer und überall gebraucht. Mit Medikamenten ist es eher schwierig: Die könnten wir in Absprache mit unseren Tierärzten annehmen.

Die Hilfe der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz wird das ganze hindurch sehnlichst erwartet

Die Hilfe der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz wird das ganze hindurch sehnlichst erwartet

Du hast in deinem SMS erwähnt, dass du wieder auf dem Weg nach Rumänien bist, was steht dieses Mal auf dem Arbeitsplan?
Ein Tierärztetraining, ein Tierheim in Bukarest reorganisieren, das Tierheim in Galati zügeln und im städtischen Tierheim Hunde behandeln (was man halt so macht…). Dann hab‘ ich einen Termin bei der Universitätsleitung in Bukarest, um über gemeinsame Pläne in der Zukunft zu sprechen. Und an einer Demo nehm‘ ich auch noch teil.

Noch Fragen, wie gross die Freude über unsere Materialspenden ist?

Noch Fragen, wie gross die Freude über unsere Materialspenden ist?

Tödlicher Lärm vor Ibiza – Akustischer Müll bedroht unsere Meere und seine Bewohner

©OceanCare/Dolphin Biology

So stellen wir uns das Meer vor: sauberes Wasser, Stille, intakte Tierwelt. Doch die Realität sieht anders aus. (©OceanCare/Dolphin Biology)

Wenn es um Natur- und Artenschutz geht, hat das Meer bei uns schlechte Karten. Denn die Anzeichen dafür, dass dieses komplexe Ökosystem gefährdet ist, sind nur selten sichtbar. Und von daher in ihrer Bedeutung auch nur schwer zu vermitteln. Ab und zu stranden irgendwo auf der Welt Wale oder Delfine, dann bekommen wir vielleicht eine Ahnung davon, wie tiefgreifend die Schäden sind, die durch unseren Umgang mit den Meeren verursacht werden. Schrecklich, wenn man sieht, wie hilflos diese wunderbaren Tiere dem Ersticken ausgeliefert sind. Aber Gott sei Dank fängt die Fernseh-  oder Smartphone-Kamera auf eine Gruppe Menschen, die gegen den Tod der Tiere ankämpfen, sie mit vereinten Kräften ins Meer zurückschaffen, wo sie unter Wasser verschwinden – und mit ihnen unser Bewusstsein für die Dringlichkeit der Problematik.

© OceanCare_Yvonne Horisberger

Stündlich (!) landen 580 Tonnen Plastik im Meer. 80 Prozent davon stammen vom Festland. (© OceanCare_Yvonne Horisberger)

(© BDMLR_Ross Flett)

Eine tödliche Falle: alte Fischernetze, die im Meer entsorgt werden (© BDMLR_Ross Flett)

Das Meer hat ein langes Gedächtnis. Die Konsequenzen unserer Eingriffe in seine Zusammenhänge sind mit blossem Auge gar nicht oder erst sehr spät sichtbar. Wir können schliesslich weiter an Stränden unsere Ferien verbringen, die frühmorgens durch das Hotelpersonal vom zivilisatorischen Unrat gereinigt wurden. Dass wir in einem Meer schwimmen, das als Müllhalde missbraucht wird, ja, die Bilder haben wir sicher alle schon gesehen von dem Müll- und Plastikteppich, der irgendwo da draussen schwimmt und wir haben davon gehört, dass trotz Verbot immer noch Dünnsäure, Schwerölrückstände und Atommüll ins Meer gelassen wird, schrecklich, nein wirklich, und die armen ölverschmierten Vögel, furchtbar. Aber solange es noch Fische gibt und der Sandstrand vor dem Hotel piccobello ist, kanns so schlimm insgesamt ja auch wieder nicht sein. Nur: Dass das Leben der Meeresbewohner durch den vom Menschen verursachten Lärm mindestens genauso bedroht ist, bleibt uns am Strand verborgen (die Lärmverschmutzung des Meeres hat sich in den vergangen 60 Jahren in jedem Jahrzehnt verdoppelt!). Wie schlimm es tatsächlich ist, das werden wir als Letzte merken, denn der Mensch steht am Ende der globalen Nahrungskette. Meist ist es dann auch schon zu spät, sind die Schäden nicht oder nur sehr schwer reparabel. (Die Broschüre „Im Lärm ertrinken“ gibt einen Überblick über Ursache und Wirkung der Lärmverschmutzung der Meere, und darüber, was zu tun ist.)

©OceanCare / Silent Oceans

Die Meeresbewohner sind für Orientierung, Kommunikation und Beutefang auf das Gehör angewiesen. Doch in den Ozeanen wird es immer lauter. (©OceanCare)

Es muss also darum gehen, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Eine der Organisationen, die sich dafür einsetzt, ist OceanCare. Seit 25 Jahren existiert diese Schweizer Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich dem weltweiten Schutz der Meeressäuger und Ozeane verschrieben hat. Hierfür kooperiert sie rund um den Globus mit führenden Wissenschaftlern in Schutzprojekten und bringt die Forschungsresultate in alle wichtigen internationalen Gremien ein. Mitbegründerin und seit 1993 Präsidentin ist die St. Gallerin Sigrid Lüber. Die Anerkennung, die OceanCare weltweit geniesst, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass ihre Präsidentin in den internationalen Gremien eine gefragte Expertin ist: Als einzige Beobachterin einer Schweizer NGO nimmt sie seit 1992 an Konferenzen der Internationalen Walfangkommission (IWC) teil; seit 1997 ist sie Beobachterin beim Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES); seit 2004 ist sie in allen für das Seerecht relevanten UN-Gremien aktiv. Und seit 2011 hat OceanCare den Status einer UN-Sonderberaterin für den Meeresschutz. OceanCare hat die Bedrohung der Meeresbewohner durch von Menschen verursachten Lärm bereits früh erkannt und 2002 die Kampagne Silent Oceans gegen Unterwasserlärm lanciert, die heute von 19 internationalen NGOs mitgetragen wird. Doch die Gegner dieser Kampagne sind finanzstark und beanspruchen für sich, im Interesse des globalen wirtschaftlichen Wachstums zu handeln – in Zeiten grosser Zukunftsunsicherheit ein stärkeres Argument denn je. Und dieses Wachstum benötigt Öl oder Gas.

Seit wir wissen, dass die Rohstoffvorkommen auf dem Festland endlich sind, sind die Meere noch stärker in den Fokus der globalen Industrien und einzelnen Nationen geraten. Die Energielieferanten Öl- und Gas sind hier von besonderem Interesse. Um festzustellen, wo sie vorkommen, werden seismische Druckluftkanonen eingesetzt. Mit verheerenden Folgen für die Unterwasserwelt der Meere, um das zu wissen muss man keine Meeressbiologin sein. Es reicht die Funktionsweise dieser Kanonen zu kennen: Luft wird mit hohem Druck Richtung Meeresboden ins Wasser gejagt. Der dabei entstehende Explosionsschall von 260 Dezibel (was der doppelten „Lärmmenge“ eines Düsenjägers entspricht) durchdringt das Meereswasser auf eine Länge bis zu 3000 Kilometern, bevor er bis hundert Kilometer weit in den Boden eindringt. Bis zu 20 Kanonen werden gleichzeitig abgefeuert. Jede von ihnen generiert alle 10 Sekunden diese 2fache Düsenjäger-Schallemission und dies 24 Stunden pro Tag, oft über Wochen im selben Gebiet. Mit Hydrophonen wird das Echo abgehört und ausgewertet. Dieses Verfahren ist für viele Meeresbewohner eine tödliche Bedrohung, allen voran für Delfine, Wale und kommerziell genutzte Fischarten.

Kartographie der Lebensgefahr: Das Mittelmeer wird durch unsere Nutzung für die Meeresbewohner zur Hochrisikozone (©OceanCare)

Kartographie der Lebensgefahr: Das Mittelmeer wird durch unsere Nutzung für die Meeresbewohner zur Hochrisikozone (©OceanCare)

Aktuell weckt das Öl- und Gasvorkommen vor den Balearen das Begehren u.a. der britischen Ölfirma Cairns Energy. Bei dem von den  Druckluftkanonen bedrohten Gebiet handelt es sich um äusserst fragile Ökosysteme, die zahlreiche Schutzgebiete beinhalten. Kommt hinzu, dass es durchaus umweltschonendere Alternativen zu dieser verheerenden Sondierungstechnik gäbe. Doch die Ölfirmen weigern sich, hierfür Geld auszugeben. Im Fall der Balearen dürften die Auswirkungen für einmal auch nicht an den Touristen auf den sauberen Stränden sang- und klanglos vorübergehen. Besonders betroffen von den Auswirkungen der Ölerschliessung würden Ibiza und Mallorca sein.

Es mag zynisch klingen, aber vielleicht ist es auch eine Chance, dass mit diesen beiden Inseln touristische Hotspots betroffen sind und nicht zwei „No-Name-Inseln“ irgendwo in den Weiten des Ozeans. Denn so kann man sich wenigsten der Aufmerksamkeit zweier Gruppierungen sicher sein: der Touristen (aus Angst um ihr Urlaubsparadies) und der spanischen Tourismusindustrie (aus Angst vor ausbleibenden Touristen, lies: Einnahmen). Und OceanCare ist es gemeinsam mit AVAAZ – der 37 Millionen Mitglieder zählenden globalen Bürgerbewegung – gelungen, dem Tourismusmekka Spanien bewusst zu machen, dass seine Angst begründet ist: Eine von 150 000 Protestunterschriften aus dem deutschsprachigen Raum getragene Petition übergaben Delegierte beider Organisationen Anfang August an hochrangige Vertreter des spanischen Umweltministeriums. Inhalt der Petition: die Forderung, der Suche nach Ölressourcen in den fragilen Gewässern vor den Balearen eine Absage zu erteilen. Die Organisationen unterstützen mit der Aktion die von der lokalen Bevölkerung ausgehende Protestbewegung „Allianza Mar Blava“.

Sigrid Lüber, Mitbegründerin und Präsidentin von OceanCare

Sigrid Lüber, Mitbegründerin und Präsidentin von OceanCare

Ich habe einerseits bei Sigrid Lüber nachgefragt, wie Sie Stellenwert und Chancen der Petition einschätzt, und ob es seit der Übergabe bereits irgendwelche News gibt.

Sigrid Lüber, mit welchen Gegenargumenten sehen Sie sich bei dieser Petition konfrontiert?
Stärkstes Argument der Gegenseite ist mit Sicherheit die ökonomische Situation Spaniens und die Möglichkeit mit der Vergabe von Ölförderlizenzen viel Geld zu verdienen. Dazu kommt der steigende Energiebedarf der Bevölkerung für dessen Deckung das Energieministerium auch verantwortlich ist.

Geld, Energie und Arbeitsplätze – also insgesamt wirtschaftliches Wachstum für ein Land, das seit Jahren unter einer Krise und daraus resultierenden Sparmassnahmen leidet. Mit welchen Argumenten sind Sie angesichts dieser schwierigen Ausgangslage nach Spanien gereist?
Neben der Tatsache, dass Lärm Meerestiere aus angestammten Gebieten vertreiben, verletzten und töten kann, haben wir am Meeting mit dem spanischen Umweltamt auch betont, dass Ölbohrtürme vor der Küste dieser äusserst beliebten Ferieninseln dem Tourismus – wichtigster Industriezweig Spaniens – schaden wird. Wir haben auch auf die sozio-ökonomischen Folgen im Fischfang hingewiesen, weil wissenschaftlich erwiesen ist, dass nach seismischen Tests die Fischfangquoten um 40 – 80 % einbrechen. Hier ein interessantes Video-Interview mit einem norwegischen Fischer der erzählt, dass in einem Gebiet in den Lofoten wo seismische Explorationen gemacht wurden, sogar drei Jahre nach dem letzten Schuss aus den Druckluftkanonen, die Fische nicht zurück gekehrt sind.

Zudem sind die Balearen wichtiger Laichgrund für den Blauflossen Thunfisch. Die wertvollste Thunfischart. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Blauflossen Thunfisch seine Migrationsroute bereits aufgrund von Schiffsverkehr ändert. Seismische Explorationen sind unvergleichbar lärmintensiver als Schiffsverkehr.

Warum glauben Sie, dass das spanische Umweltministerium in der gegenwärtigen ökonomischen Situation ein offenes Ohr für Ihre Anliegen habe könnte?
Weil Spanien sehr wohl um den unschätzbaren Wert des Meeres weiss und zu dessen Schutz trotz der Krise nicht untätig geblieben ist. So hat dieses Land zum Beispiel eine Vorreiterrolle in Sachen Militärsonar und Schutz der Schnabelwale vor Lärm eingenommen. Spanien ist nämlich das einzige Land der EU, welches das vom EU Parlament 2004 beschlossene Moratorium für Militärsonar sofort umgesetzt hat und im Umkreis von 50 Meilen um die Kanarischen Inseln ein Verbot des Einsatzes von Militärsonar erlassen hat. Seither gab es auch keine Strandung mehr. Vor kurzem hat Spanien einen Antrag für den Schutz der Schnabelwale im Rahmen der Bonner Konvention für wandernde Tierarten lanciert, der im November als EU Antrag – also von 28 Ländern unterstützt ist – an der Vertragsstaatenkonferenz verhandelt wird. Diese Vorreiterrolle steht im Widerspruch mit den geplanten Öl Explorationen. Darauf haben wir hingewiesen.

Ainhoa Pérez Puyol, Vertreterin des spanischen Umweltministeriums, erhält von Sigrid Lüber die Petition von OceanCare und AVAAZ. (©OceanCare)

Ainhoa Pérez Puyol, Vertreterin des spanischen Umweltministeriums, erhält von Sigrid Lüber die Petition von OceanCare und AVAAZ. (©OceanCare)

Wie war die Stimmung bei diesem Treffen, was ist Ihr Eindruck?
Wie ernst die spanische Regierung dieses Thema und die Petition nimmt, lässt sich an der hochkarätigen Delegation abmessen, die wir getroffen haben. Insgesamt dauerte das Treffen mehr als eineinhalb Stunden, und wir hatten den Eindruck, dass die Vertreter des Umweltministeriums unsere Sorge teilen und es begrüssen, dass sie die Petition mit den enorm vielen Unterschriften an das Energie- und Tourismus Ministerium weiterreichen können. Besonders auch die Argumente betreffend der negativen Einflüsse auf den Tourismus und die Einbussen in der Fischerei werden da ein nochmaliges Nachdenken fördern. Wie gesagt, das stärkste Argument für die Bewilligung der Suche nach Öl- und Gasvorkommen ist natürlich die schwierige ökonomische Situation, in der sich Spanien immer noch befindet. Dieses Thema haben wir auch aufgegriffen und bilateral und informell mit einer der Teilnehmenden weitergeführt. Den grossen Firmen in Spanien geht es ein bisschen besser, aber dies anscheinend aufgrund von Massnahmen wie niedrigere Löhne, etc. Das spanische Volk bezahlt einen sehr hohen Preis. Und da ist die Hoffnung, die ökonomische Situation mit der Vergabe von Ölförderlizenzen zu verbessern halt schon sehr gross.

Wie steht es angesichts dessen um die Chancen der Petition?
Meiner Ansicht nach besteht eine intakte Chance, die Ölsuche zu verhindern.

Zweckoptimismus?
Durchaus nicht. Ein grosser Erfolg wäre bereits, wenn wir strengere Auflagen für dieses Projekt erwirken können. Wie beispielsweise zeitliche und räumliche Verbote, Verbote für gewisse Zonen, Pufferzonen um sensible geschützte Gebiete besser zu schützen, alternative weniger schädliche Methoden wie z.B. Marine Vibroseis zu verwenden anstelle von Druckluftkanonen – damit hätten wir dann einen  Präzedenzfall, den wir bei Verhandlungen anderer Projekte heranziehen können. Und wenn die Petition erfolgreich ist, dann ist die Signalwirkung selbstverständlich noch um einigse grösser.

Eine zumindest geografisch naheliegende Frage: Was geht diese Thematik eigentlich das Binnenland Schweiz an?
Die Schweiz ist zwar ein Binnenland, hat aber viel mit dem Meer zu tun, wenn man genauer hinschaut. Wir sind eine grosse Segler- und Tauchernation, die meisten Menschen in der Schweiz verbringen einmal jährlich Urlaub am Meer und da bietet sich das Mittelmeer sehr an, weil man in vier Stunden schon an der Küste Liguriens sein kann. Ölsuche und Ölförderung geht uns gleich doppelt etwas an. Je wärmer wir unsere Wohnungen beheizen, damit wir im Winter im T-Shirt herumlaufen können, umso mehr Öl wird verbraucht und je mehr Plastiksäcke und andere Kunststoffverpackungen wir verbrauchen, umso mehr Öl braucht es auch dazu. Wir sollten also nicht nur gegen die Ölsuche protestieren, sondern auch selber etwas tun, den Verbrauch zu reduzieren. Die Schweiz hat mit 33 Schiffen von allen Binnenländern die grösste Handelsflotte auf den Ozeanen. Ein Grossteil unserer Verbrauchsgüter kommt über den Seeweg in die Schweiz. Und die Schweiz ist Mitglied aller relevanten internationalen Abkommen und die Stimme der Schweiz hat dasselbe Gewicht wie die Stimme von Meeresanrainerstaaten. OceanCare hat UNO Sonderberaterstatus in Meeresbelangen und ist die Verpflichtung eingegangen international im Meeresschutz tätig zu sein. OceanCare wird fast vollständig von in der Schweiz lebenden Privatpersonen finanziert.

Abschliessend ein Wort zum aktuellen Stand der Petition: Wie geht es weiter, und kann man sie noch unterstützen?
Die Vernehmlassungsfrist wurde verlängert, so dass wir unsere Eingabe noch machen konnten. Sie befindet sich jetzt in der Review Phase.
Auf www.silentoceans.org kann der Appell immer noch unterzeichnet werden. Wenn wir nachfassen bei der spanischen Regierung, dann ist es für uns wichtig, sagen zu können, dass seit dem Meeting in Madrid so und so viele zusätzliche Unterschriften eingegangen sind.

Was bin ich? – ein kleines Hundequiz

Etwas kleines Quizziges für alle Hundefans, die mal wissen wollen, wie es denn so um ihre Rassenkenntnisse steht. Dass ich selber durch den Test durchgestrebert bin, verdanke ich natürlich einzig und allein dem Pfötli. Es gibt keine besser Schule in Sachen „Heiteres Rasseraten“, müssen wir ja manchmal am lebenden Hund vollführen, wenn ein Vierbeiner ohne Papiere und sachdienliche Hinweise bei uns aufgenommen wird. Natürlich checken bei uns hauptsächlich reinrassige Milschlinge ein. Aber vor allem bei denen ist es ja wichtig, die einzelnen Zutatenmerkmale zu kennen. Denn ganz grob und alles andere als abschliessend lässt sich dann schon mal die eine oder andere Wesensart – zumindest – vermuten.
Übrigens habe ich in diesem Quiz ganz nebenbei gesehen, wie unser Löwchen Caro – ein neuerer Zugang mir unbekannter Bauart – aussehen würde, wenn er wie ein Löwchen aussehen würde. Dass er das nicht tut, finde ich – ganz ehrlich – gar nicht so schlimm.

Viel Vergnügen beim heiteren Rasseraten!

Was bin ich?

P.S.: Ist übrigens nicht zu verwechseln mit diesem „Was bin ich“ hier. Kennt die Sendung noch jemand von euch? Gehörte in meiner Kindheit zu den festen Bestandteilen der wöchentlichen Fernsehunterhaltung.

Was bin ich? Vermutlich in den Siebzigern ...

„Welches Schweinderl hätten’s denn gern“: Robert Lembke mit seinem Rateteam, zu dem ein Schweizer und ein Oberstaatsanwalt (!) gehörten

 

 

 

 

 

 

 

Reife(n)-Prüfung

 

High-Five-Dog-Trick

Gäbe es Assessment-Center für Hunde, und beinhaltete das Programm eine Aufgabe zur Beurteilung der Teamfähigkeit, dann würden diese beiden American Bulldogs sie geradezu strebermässig meistern. Nicht nur, weil sie hartnäckig sind und am Schluss gemeinsam das Objekt der Begierde an Land ziehen. Sondern vor allem, weil sie den Versuch aufgegeben haben, das Problem durch Leersaufen des Pools zu lösen. Sie erkennen eben auch im grössten Stress, wenn eine Idee bescheuert ist. Etwas, das nicht unbedingt menschlich ist.

Tierische Selfies

 

Von der Natur fotografiert: Das vermutlich berühmteste, juristisch relevante Selfie

Von der Natur fotografiert: Das vermutlich berühmteste, juristisch relevante Selfie

 

Das hier ist zu nächst mal das Foto von einem Makaken im Nord-Sulawesi-Nationalpark, Indonesien. Aber: es ist auch das Foto eines Makaken im Nord-Sulawesi-Nationalpark, Indonesien. Will heissen: Der Affe hat sich selbst fotografiert. Und damit ein Selfie aufgenommen, ein mittels Digitalkamera oder Smartphone von eigener Hand aufgenommenes Selbstporträt. Mit dem in erster Linie eher übersehens- als bemerkenswerte  Menschen ihre soziale Umwelt auf Facebook & Twitter & Co. bewerfen. Kim Kardashian beispielsweise. Die muss niemand kennen. Da sie das aber anders sieht, gibt sie demnächst sogar ein ganzes Buch mit Selfies raus. Es ist zu befürchten, dass auf sehr vielen von ihnen ihr Hintern lächelt. Denn der ist ihr einziges Talent.

Im Gegensatz zu Kim ist dieser Affe wirklich berühmt. Und er schreibt Copyright-Geschichte. Wie wir vermutlich alle wissen, unterliegen Bilder in der Regel einem Copyright, also Urheberrecht. Das heisst, sie können – ausser vom Fotograf oder von der Fotografin – nicht unentgeltlich benutzt werden. Während der Einzelne sich kaum wirksam dagegen schützen kann (vor allem nicht im www), entgeht den Bildagenturen so gut wie kein Missbrauch ihrer Bilder.

Nun geht aber die Geschichte dieses Bildes so, dass die Kamera mit der dieses Bild entstand zwar dem britischen Tierfotografen David Slater gehört. Das Bild hat jedoch der Affe selbst gemacht, nachdem er dem Fotografen die Kamera geklaut hatte. Das Bild ging via www um die Welt, und Wikimedia, die Bilder kostenlos zur Verfügung stellt, nahm es in seine Bibliothek auf. Dagegen klagte Slater. Drei Jahre ist das her. Jetzt hat die US-Copyright-Behörde entschieden, dass Slater das Bild gar nicht urheberrechtlich schützen kann, weil die Aufnahme – nach den Regeln des Kompendiums zur Urheberrechtspraxis – von der Natur angefertigt wurde. Damit steht die Selfieserie on- und offline zur freien Verfügung.

 

Tja, hätte er gewusst, dass auch dieses Bild um die Welt geht, vermutlich hätte sich vorher noch etwas den Glanz weggepudert...

Tja, hätte er gewusst, dass auch dieses Bild um die Welt geht, vermutlich hätte sich vorher noch etwas den Glanz weggepudert…

 

Ob dieses Urteil richtungsweisenden Charakter hat, weiss ich nicht. Ginge es nach gesundem Menschenverstand, dann dürften alle Bilder, bei dem die Natur ohne menschliche Hilfestellung „auf den Auslöser“ gedrückt hat, frei von Copyright sein. Doch erstens geht im Recht ja nicht alles mit rechten Dingen zu und gesunder Menschenverstand ist erst recht nicht das Mass aller Dinge. Und andererseits lassen sich mit Photoshop mittlerweile Bilder herstellen, die besser sind als von der Natur gemacht. Zum Beispiel:

images

und

6f97db8(das letzte Selfie :) )

Was für all diese tierischen Selfies gilt, weiss ich ebenfalls nicht. Geklaut oder gegebenenfalls auch nicht habe ich sie aus der Huff Post, Abteilung Comedy. Und die hat sie wiederum via Imgur, einer öffentlichen Bildplattform. Insofern bewege ich mich im rechtlich vollkommen sicheren Bereich, wenn ich diese 18 tierischen Selfies hier zeige:

Weitwinkel-Selfie? Kein Problem!

Weitwinkel-Selfie? Kein Problem!

 

Laaaaliiluuuhhh, das im Selfie, das bist duuuuuuuu ....

Laaaaliiluuuhhh, das im Selfie, das bist duuuuuuuu ….

 

Der Moment, als Gregor die Zahnarztrechnung zu Gesicht bekam

Der Moment, als Gregor die Zahnarztrechnung zu Gesicht bekam

 

Jeanette brauchte eineinhalb Tage für die Pose, was für ein Faultier ziemlich flott war ...

Jeanette brauchte eineinhalb Tage für die Pose, was für ein Faultier ziemlich flott war …

 

"Okay Leute, ich hab das Wasser schon bis zum Hals stehen, und wenn nicht in den nächsten zwei Minuten einer mit mir vor die Tür geht, dann muss ich leider die Schleuse öffnen ..."

„Okay Leute, ich hab das Wasser schon bis zum Hals stehen, und wenn nicht in den nächsten zwei Minuten einer mit mir vor die Tür geht, dann muss ich leider die Schleuse öffnen …“

 

Zu Hause im Spiegel fand Corinna die Perücke dann auch nicht mehr so toll.

Zu Hause im Spiegel fand Corinna die Perücke dann auch nicht mehr so toll.

 

George liebte es, vor den Mädels mit seinen Velos anzugeben.

George liebte es, vor den Mädels mit seinen Velos anzugeben.

 

Für ein richtiges Nackselfie fehlte es Kurt dann doch irgendwie an Mut...

Für ein richtiges Nackselfie fehlte es Kurt dann doch irgendwie an Mut…

 

Als Heinz ihr dieses Selfie schickte, beschloss Hannelore, ihn zu verlassen, denn als Nacktmull war sie überzeugte Anti-Pelz-Aktivistin

Als Heinz ihr dieses Selfie schickte, beschloss Hannelore, die Brieffreundschaft zu beenden, denn als Nacktmull war sie überzeugte Anti-Pelz-Aktivistin

 

Benny hatte sein Herrchen noch gewarnt, ihn endlich mit diesen lustigen Selfie-Ideen in Ruhe zu lassen. Aber er hörte nicht auf ihn. Und Benny sann auf furchtbare Rache ...

Benny hatte sein Herrchen noch gewarnt, ihn endlich mit diesen lustigen Selfie-Ideen in Ruhe zu lassen. Aber er hörte nicht auf ihn. Und Benny sann auf furchtbare Rache …

 

Nach diesem Versuch am Menschen beschloss Gerhard, doch lieber die Finger von den K.O.-Tropfen zu lassen.

Nach diesem Versuch am Menschen beschloss Gerhard, doch lieber die Finger von den K.O.-Tropfen zu lassen.

 

Tom fand ja, dass in diesem Bild seine Ählichkeit mit Jean-Claude Van Damme frappierend war.

Tom fand ja, dass in diesem Bild seine Ählichkeit mit Jean-Claude Van Damme frappierend war.

 

Dieses Bild kostete Oskar seinen Job. Er schickte es irrtümlicherweise seinem Chef. Aus Südtirol. Nicht gut, wenn man eigentlich krank geschrieben ist.

Dieses Bild kostete Oskar seinen Job. Er schickte es irrtümlicherweise seinem Chef. Aus Südtirol. Nicht gut, wenn man eigentlich krank geschrieben ist.

 

Hank hatte keinen Schimmer wie er nach seinem K.O. noch dieses Bild von sich machen konnte. Was er aber ganz genau wusste nach der Schlägerei: Die Hip-Hop-Szene war nix für ihn.

Hank hatte keinen Schimmer wie er nach seinem K.O. noch dieses Bild von sich machen konnte. Was er aber ganz genau wusste nach der Schlägerei: Die Hip-Hop-Szene war nix für ihn.

Zwischen Schlaumeier und verblödetem Ex-Wolf

Hunde sind erwiesenermasser sehr, sehr klug. Das behaupten nicht nur die jeweiligen Besitzer, sondern auch die Wissenschaft. Sie sind sogar cleverer als Menschenaffen, wenn es darum geht, aus der Zusammenarbeit und der Kommunikation mit dem Menschen Vorteile zu ziehen. Das hat vor einigen Jahren dieser spannende Versuch des Leipziger Max-Planck-Instituts (MPI) für evolutionäre Anthropologie erwiesen. Der Einfachheit halber zitiere ich hier mal aus einem Artikel des Magazins „Der Spiegel“ (36/2007; „Was weiss der Hund“), der die seinerzeit neuen Erkenntnisse zusammenfasst:

“ (…) So konnten die Leipziger nachweisen, dass Hunde die vermeintlich so klugen Menschenaffen um Längen schlagen, wenn es darum geht, Gesten von Menschen zu deuten. Die Forscher stellten Schimpansen und Hunden dafür zwei Behälter vor die Nase, nur einer enthielt Futter. Dann zeigten sie mit dem Finger auf das richtige Gefäß. Die Caniden kapierten den Hinweis sofort, während die Affen, genetisch viel näher mit den menschlichen Versuchsleitern verwandt, oft nichts mit den Fingerzeigen anfangen konnten. Mehr noch: Viele Hunde wussten sogar den Blick des Versuchsleiters richtig zu deuten. Schaute der auf den richtigen Topf, suchten sie dort nach Futter. Blickte er zwar in dessen Richtung, aber an einen Punkt darüber an der Wand, werteten die Hunde dies nicht als Hinweis. So sehr sind die vierbeinigen Begleiter auf die Kommunikation mit den Menschen getrimmt, dass die Fähigkeit offenbar fest in ihrem Erbgut verankert ist. Für eine noch unveröffentlichte Studie wiederholten Kaminski und ihre Forscherkollegen den Zeige-Versuch mit sechs Wochen alten Welpen. Auch die Hundebabys kapierten sofort, dass es sich lohnt, dort zu suchen, wohin der menschliche Finger zeigt. „Mit sechs Wochen sind die Welpen noch bei der Mutter, zudem beginnt die sensibelste Phase für die Prägung durch den Menschen erst danach“, erläutert Kaminski. Die treffsichere Interpretation von Menschengesten, folgert sie, muss den Tieren also gleichsam in die Wiege gelegt sein. (…)“

Toll, nicht? Ja, einerseits.

Andererseits ist die selbe Spezies aber unter Umständen nicht in der Lage, einen auf der anderen Strassenseite stehenden Müllsack von einer lebensgefährlichen Bedrohung unterscheiden. Oder einen Stoffhund von einem artgerechten Genossen der lebenden Art.
Und das hat sich der Youtube Kanal „Just for laughs Gags“ für ein kleines Experiment zunutze gemacht, zu dem die Kollegen vom Max-Planck-Insitut gerade die Zeit fehlte. Und die Forschungsgelder …….

Qualzuchten: Der Bund nimmt das Verbot jetzt ernst. Toll!

Qualzuchten. Ein schweres Thema. Fangen wir mit etwas Leichtem an. Auf dieses Video der College-Humor-Chanel-Serie „Adam ruins everything“ bin ich heute morgen via Facebook gestossen. Titel: The Bizarre Truth About Purebred Dogs (and Why Mutts Are Better). Auf deutsch so ungefähr: Die bizzare Wahrheit über reinrassige Hunde (und warum Mischlinge viel besser sind). Es handelt sich also um einen Aufklärungsfilm, der seine Botschaft allerdings mit einigem Humor und ohne moraline Säuernis verbreitet. Leider in Englisch, aber ich denke, Anschauen lohnt sich auch, wenn man nicht jedes einzelne Wort versteht.

Zu den nicht gerade wenigen Themen im Tierschutz, deren Existenz mich fassungslos macht, gehört die Qualzucht (Weshalb ich nach „Das Qualzuchtverbot muss endlich durchgesetzt werden“ hier jetzt bereits zum zweiten Mal etwas dazu poste). Umso mehr, als es sich dabei nicht um Tierquälerei handelt, die in Ländern oder Kulturen begangen wird, die das Recht des Tieres auf Schutz gar nicht (aner)kennen; in einem Lebensraum oder einer Gesellschaft, wo es auch für die Menschen mit dem Recht auf Schutz des Lebens schlecht bestellt ist. An einem Tatort und mit „Tätern“, auf die wir, empört darüber, wie „die“ mit den Tieren umgehen,  – so gerne wie ohne zu zögern mit dem Finger zeigen.

Qualzucht geschieht bei uns. Öffentlich. In Ländern mit Tierschutzgesetzen, die – zumindest auf dem Papier – als fortschrittlich zu bezeichnen sind. Und sie ist symptomatisch für wohlhabende Länder. In Ländern, in denen es auch dem Gros der Menschen an vielem fehlt, findet die Qualzucht keinen Markt. Einerseits, weil in diesen – zumeist landwirtschaftlich ausgerichteten – Wirtschaftskulturen nur langfristig arbeits- und widerstandsfähige Tiere gebraucht werden. Vor allem aber könnten sich die Menschen dort ein solches Hochleistungszuchttier gar nicht leisten. Denn bei den Qualzuchtopfern handelt es sich um reinrassige Tiere mit teuren Stammbäumen, um das Produkt einer Industrie, in der es um viel Geld geht, um Renommee, Eitelkeit, Pokale. Es entbehrt nicht einer bitteren Ironie, dass ausgerechnet, wenn es um Lebewesen geht, die kaputtgezüchtete, also schadhafte Ware am teuersten ist.

Das ist ein Faltenhund, ein Shar Pei. Tierärzte bitten inzwischen an, bei solchen Hunden "Faltenkorrekturen" durchzuführen.

Das ist ein Faltenhund, ein Shar Pei. Tierärzte bieten inzwischen an, bei solchen Hunden „Faltenkorrekturen“ durchzuführen.

Eine Perversion, für die am Ende die Tiere bezahlen. Mit jeder Menge Leid. Einer Lebensqualität, die den Namen nicht verdient. Mit Krankheit und einem frühen Tod – häufig die Erlösung. Und trotzdem behaupten so gut wie alle an dieser Industrie Beteiligten, dass sie ihre Tiere, die Rasse oder die Spezies lieben und weisen den Vorwurf der Tierquälerei weit von sich. Das Schlimme daran: Sie meinen das vollkommen ernst.

Nun verfügt die Schweiz ja über eines der besten Tierschutzgesetze Europas. Theoretisch. Entsprechend theoretisch sind Qualzuchten hierzulande eindeutig verboten. Praktisch jedoch scheitert die Anwendung des Gesetzes an einer Frage, die so grundlegend ist, dass man kaum glauben mag, dass die nicht längst, nämlich als allererstes im Zusammenhang mit dem Verbot geklärt wurde: Was ist eigentlich eine Qualzucht? Es fehlt schlichtweg an den Richtlinien, um Qualzuchten zu definieren. Unglaublich, aber wahr.

Das will der Bund nun ändern. Meine Kollegin Stephanie Hess hat aus diesem Anlass Nora Flückiger von der Stiftung für das Tier im Recht für annabelle interviewt. Und wollte u.a. von ihr wissen, was von dem Verordnungsentwurf zu halten ist.

annabelle: Nora Flückiger, was genau sind Qualzuchten?
Nora Flückiger: Von Qual­zuchten spricht man, wenn bei Tieren durch die Zucht Schmerzen, ­Schäden oder Verhaltensstörungen entstehen. Also etwa die stark ­eingedrückten Nasen bei Möpsen und Pekinesen, der Zwergwuchs bei den Chihuahuas oder die abstehenden Teleskopaugen bei Fischen.

Inwiefern sind diese Merkmale leidvoll?
Viele Möpse und Pekinesen kämpfen mit chronischer Atemnot, Chihuahuas leiden an ­Gebissanomalien, an herausspringenden Kniescheiben oder offenen Schädeldecken, Fische mit übergrossen Augen an starken Sichteinschränkungen.

Weshalb gibt es überhaupt ­Qualzuchten?
Vielen Haltern fehlt wohl das Bewusstsein ­dafür, dass Tiere durch bestimmte Zuchtmerkmale beeinträchtigt sind. Einige Merkmale wie das ­Röcheln von Möpsen werden schon als normal angesehen. ­Zudem ­gefällt den Haltern wohl das Kindchenschema: ein runder und im Vergleich zum Körper ­grosser Kopf, grosse Augen. Das Züchten von sehr kleinen Hunden hat aber auch praktische Überlegungen: Kleine Hunde brauchen gerade in Städten vermeintlich weniger Platz und sind ­leichter zu tragen.

Wie verbreitet sind Qualzüchtungen bei Nutztieren?
Weit verbreitet. Das Tier wird unter rein wirtschaftlichen Aspekten ­betrachtet und so verändert, dass es die bestmögliche Leistung erbringt. Doppellender-Rinder etwa werden auf grosse Fleischmasse gezüchtet – was zur Folge hat, dass die Kälber bei der Geburt bereits so gross sind, dass sie nicht natürlich geboren werden können.

Wie viele Tiere sind in der Schweiz betroffen?
Schwierig zu sagen, weil es ja bis anhin keine verbindlichen Richtlinien für die Definition gegeben hat.

Nun hat der Bund in einem ­Verordnungsentwurf für Qualzuchten eine Merkmalliste definiert, ab wann ein Tier belastet ist. Geht sie genügend weit?
Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ist ein Tier gemäss ­dieser Liste mittel oder stark ­beeinträchtigt, soll die weitere Zucht massiv eingeschränkt oder verboten werden.

Wie soll die Einhaltung dieser Bestimmungen kontrolliert werden?
Die Verantwortung dafür liegt hauptsächlich bei den Zuchtvereinen, und das ist ein Problem. Eine ­Kontrolle durch die Behörden ist nicht speziell vorgesehen. Das Qualzuchtverbot kann aber nur über flankierende Mass­nahmen umgesetzt werden.

Wie sähen solche Mass­nahmen aus?
Züchtungen und Ausstellungen müssten von unabhängigen Instanzen kontrolliert und von Rückzüchtungsprogrammen begleitet werden.

Wie funktionieren Rückzüchtungen?
Stark belastete Tiere werden mit solchen gepaart, die weniger ausgeprägte Merkmale haben. So können Rassen gesund ­gezüchtet werden.

Nora Flückiger, MLaw, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung für das Tier im Recht TIR— Nora Flückiger (28), Stiftung für das Tier im Recht, ist Master of Law im Doktoratsprogramm «Law and Animals – Ethics and Crossroads» an der Universität Basel

 

Züchtungen, die der Bund ganz ­verbieten will

  • Todesroller- und Bodenpurzlertauben
    Die extrem gezüchteten Tiere überschlagen sich unkontrolliert und haben eine hohe Verletzungsgefahr.
  • Goldfische mit Teleskop- und Blasen­augen, Himmelsgucker
    Diese Fische leiden unter ­Sichteinschränkungen und ­werden dadurch in der Nahrungsaufnahme, beim Schwimmen und im sozialen ­Zusammenleben behindert.
  • Tanzmaus
    Der Defekt im Innenohr, der das Tier zu den Zwangsbewegungen im Kreis («Tanzen») zwingt, führt zu Taubheit.
  • Katzen ohne Tasthaare
    Katzen ohne ­Tasthaare, wie die Rassen Rex und Sphynx, können sich weder ­orientieren noch mit anderen Katzen ­Kontakt aufnehmen.

Viehtrieb in f-Moll

Zwischendurch mal etwas aus dem Nutztierbereich. Man stelle sich vor: Irgendwo in Amerika, Weideflächen bis zum Horizont und eine riesige Kuhherde. Zeit, das Vieh zusammenzutreiben. Wer erscheint klassischerweise auf der Bildfläche?

 

Cowboy UpDer Cowboy.

Nur echt mit Lasso, Stetson und zu Pferd, gern im Gegenlicht der auf- oder untergehenden Sonne, staubgepudert, hartgesotten, sattelfest. Soweit so „Yee-hawww!!!“ Und falsch.

Denn dieser Cowboy hier arbeitet ohne Pferd, ohne Lasso und ohne Sonnenuntergang. Und völlig staubfrei. Alles, was er braucht, um die Herde zu versammeln, ist ein klappriger Campingstuhl und eine Posaune.

Ohne Hut geht’s aber auch bei ihm nicht!